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Das ist der Hamm(er) - Neusorger Damen sind Deutscher Pokalmeister
Geschrieben von: Sacher, Gerald   
Mittwoch, den 01. Juni 2022 um 21:05 Uhr

 

Neusorger Tischtennis-Damen sind Deutscher Pokalmeister

Den SVN-Damen gelingt der große Hamm(er)

„Wenn wir schon soweit anreisen, dann wollen wir aber auch einen Pokal mit heimnehmen“, das war die Ansage von Trainerin Christina Stock-Schönfelder vor der Abreise der Tischtennisdamen des SV Neusorg nach Hamm. Und dabei ging es um das größte Mannschaftsturnier, das Amateurteams in Deutschland überhaupt erreichen können – die Deutsche Pokalmeisterschaft der Verbandsklassen. Die erste Enttäuschung erwartete die 14- und 15-jährigen Mädels beim ersten Eintreffen in den Hallen: Es gab nur einen Pokal. „Dann müssen wir halt Erster werden“, so das Fazit von Stock-Schönfelder.

„Und wir haben den Pokal, halleluja …“ schallte es am Sonntag nach dem viertägigen Mammutturnier durch die Katakomben. Was niemand, auch nicht die größten Optimisten, für möglich gehalten hätte, die Damen des SV Neusorg sind Deutscher Pokalmeister des Jahres 2022.

Zwei Tage vor Turnierbeginn wurde der Matchplan aber erstmal über den Haufen geworfen, als der TSV Watenbüttel seine Mannschaft kurzfristig zurückzog und die Begegnungen neu terminiert wurden. Der Neusorger Turnierauftakt verschob sich damit auf Freitag, trotzdem reiste man früher an und absolvierte dann am Donnerstag noch eine zweistündige, intensive Trainingseinheit.

Erster Gegner war dann am Freitag um 9 Uhr aus Dortmund der SV Holzen vom Westdeutschen Tischtennisverband. Gesetzt als Nummer Zwei in der Vorrundengruppe B sahen sich die Neusorger schon als leichte Favoriten gegen die Nummer Drei. Das Auftakteinzel musste Antonia Schraml dann auch schon gleich knapp in vier Durchgängen gegen die Nummer 1 von Holzen abgeben, bevor Christina Stock-Schönfelder souverän in drei Sätzen für den Ausgleich sorgte. Ebenso deutlich sorgte Saskia Sacher für die erstmalige Führung, die das Mutter-Tochter-Gespann Christina und Emilia Schönfelder auf 3:1 ausbauten. Stock-Schönfelder sorgte im Anschluss für den entscheidenden vierten Punkt und den ersten Sieg. Auch wenn die Knie vorher ein wenig schlotterten erledigten die Damen ihre erste Aufgabe souverän.

Nach einer kurzen Ess- und Trinkpause stand dann auch schon die Folgepartie gegen den Wandsbeker Turnerbund 1861 aus dem Hamburger Tischtennisverband an. Mit Emilia Schönfelder und Emily Sischka in der Aufstellung sollte der vorzeitige Einzug ins Halbfinale realisiert werden. Christina Stock-Schönfelder legte passend dazu auf 1:0 vor, ehe sich Tochter Emilia in einem Marathonmatch (und es sollte nicht ihr letztes bleiben) nervenstark mit einem 12:10 im Entscheidungssatz den Punkt zum 2:0 erkämpfte. Der Grundstein war gelegt, so dass Emily Sischka mit einem glatten Drei-Satz-Erfolg für die Vorentscheidung sorgte. Ohne Kompromisse machten die Schönfelders im Doppel dann den Sack zum 4:0 endgültig zu – Halbfinale und Bronzemedaille sicher! Das erhoffte Ziel war erreicht, was jetzt noch kam war nur noch Zugabe.

Nach einer vom Veranstalter organisierten Players Night hieß es am Freitag früh aufstehen, stand doch das Match um den Gruppensieg auf dem Programm. Gegen den hochfavorisierten TTC Wißmar vom Hessischen Tischtennisverband wurde ausgelotet, ob vielleicht doch noch mehr geht. Der Matchplan mit Antonia Schraml im Aufgebot musste kurzfristig geändert werden, da Antonia an diesem Tag Magenkrämpfe plagten. Für sie kam Saskia Sacher zum Einsatz. Gegen die Nummer 2 von Wißmar musste Christina Stock-Schönfelder schon schwer kämpfen, um in vier Durchgängen die Oberhand zu behalten. Einigermaßen dagegenhalten hieß das Motto für Saskia Sacher, die in drei Sätzen gegen die Wißmarer Spitzenspielerin abgeben musste. Im Dreierduell war Emilia Schönfelder stets Herr der Lage und sorgte für die erneute Führung. Relativ leichtes Spiel hatten die Schönfelders im Doppel, so dass sie auf 3:1 ausbauen konnten. Volle Konzentration war im Anschluss bei Christina Stock-Schönfelder gefordert im Duell gegen die nicht nur nach Q-TTR- Punkten etwa gleichstarke Hessin. Nach verlorenem ersten Satz drehte die Neusorgerin hochkonzentriert und mit viel Routine die Begegnung zu ihren Gunsten – 4:1 und damit verlustpunktfreier Gruppensieg.

Doch nun folgte der Tag der Entscheidung – TSG 1846 Heilbronn hieß der Gegner im Halbfinale. “Wen stelle ich wo auf“, Stock-Schönfelder zermarterte sich den Kopf, wohlwissend, dass der Gegner mit Victoria Merz die absolute Topspielerin in ihren Reihen hatte mit 1822 QTTR-Punkten. Es galt, deren eingeplante drei Punkte zu kompensieren. Wie erwartet chancenlos startete Emily Sischka gegen Merz ins Spiel. Christina Stock-Schönfelder und Tochter Emilia drehten die Partie mit glatten Erfolgen auf 2:1. Perfekt aufeinander abgestimmt stellte Neusorgs Mutter-Tochter-Gespann die TSG vor eine harte Prüfung. Über sich hinaus wuchs dabei Emilia Schönfelder, die Merz mit ihren Konterbällen wiederholt düpierte und in die Verzweiflung trieb. Hochkonzentriert bis zum letzten Ballwechsel sorgten die Neusorgerinnen mit einem relativ deutlichen 11:7, 11:8 und 11:7 für eine Riesenüberraschung. Als ganz schlechte Verliererin erwies sich die 18-jährige Merz, die nicht nur den Gegnerinnen und dem Schiedsrichter, sondern sogar ihrer Partnerin und ihren Mitspielerinnen jegliches Abklatschen verweigerte. 3:1 für Neusorg, war damit der Einzug ins Finale vorprogrammiert? Christina Stock-Schönfelder verlor im Anschluss recht klar gegen Merz und auch Emily Sischka wurde trotz glänzendem Start immer nervöser und konnte dann das Ruder nicht mehr herumreißen – 3:3. Emilia Schönfelder musste das Zünglein an der Waage spielen. Die Partie wogte hin und her, keiner gab auch nur einen Deut nach, so dass es in den fünften Satz ging. Und auch hier Spannung pur, bis zum 9:9 war alles ausgeglichen, doch einmal mehr zeigte die Neusorgerin keine Nerven und ließ ihre Mitspielerinnen nach zwei herrlichen Angriffsbällen jubeln – Finale!!!

Und wieder hieß der Gegner TTC Wißmar. Während die Neusorgerinnen wie in der Gruppenphase antraten, hatte der TTC umgestellt und eine weitere Materialspielerin mit langen Noppen aufgeboten. Wesentlich besser noch als in der Gruppenphase verkaufte sich Saskia Sacher gegen die Nummer 1 und musste erst nach vier hartumkämpften Durchgängen abgeben. Wesentlich schwerer hingegen tat sich Christina Stock-Schönfelder gegen die gegnerische Nummer 2, die einen Sahnetag erwischt hatte und erst nach hartem Kampf dann doch noch gratulieren musste. Einzig Emilia Schönfelder hatte hier einigermaßen leichtes Spiel und sorgte für die erstmalige Führung. Das ebenfalls neuformierte TTC-Doppel verlangte den Schönfelders alles ab, lange Zeit war kein Sieger auszumachen, ehe sich die Neusorgerinnen doch noch durchsetzen konnten – 3:1. War´s das? Nein, denn Christina Stock-Schönfelder kam nun an ihre Grenzen, war sie ja nicht nur als Spielerin gefordert, sondern auch als Trainerin, Coach und Beobachterin. Im Gegensatz zum Vortag musste sie das Einsermatch abgeben, so dass der TTC den Anschluss schaffte. Was folgte, war der nächste Krimi. Saskia Sacher hatte sich einigermaßen auf die ungewohnten langen Noppen ihrer Gegnerin eingestellt, führte schnell 2:0 und im dritten Satz 9:7 – zwei Punkte bis zum Titel. Doch auf einmal schlug die Gegnerin zurück, holte sich nicht nur Durchgang drei, sondern auch den vierten, bevor es in den Entscheidungssatz ging. Alle Blicke auf der Tribüne waren nun auf die beiden Akteurinnen gerichtet, da zwischenzeitlich die weiteren Finalspiele schon beendet waren. Auch im Entscheidungssatz war bis zum 6:6 kein Unterschied auszumachen, doch dann schienen bei der Hessin die Nerven nicht mehr mitzuspielen, während Sacher die Konzentration hochhielt. 10:6 – Matchball, überlegt ausplatziert. Jubel, alle Mitspielerinnen stürmten auf sie ein, Riesenfreude nur noch nicht bei Saskia, die sich um einen Punkt verzählt hatte und sich erst beim zehnten wähnte. Doch schnell fiel auch bei ihr jegliche Spannung und Konzentration ab und sie lag sich mit ihren Freundinnen in den Armen.

Freundinnen, oft eine Phrase gerade im Facebook-Zeitalter, doch bei den vier jungen Neusorgerinnen trifft dies den Nagel auf den Kopf. Begonnen haben sie alle vier gemeinsam mit der Einschulung in der 1. Klasse und nun, in der neunten Klasse, dürfen sie sich nach ihrem ersten Jahr in der Damenkonkurrenz Deutsche Pokalmeisterinnen bei den Damen C nennen. Ein wahres Tischtennis-Märchen. Natürlich hat dieser Titelgewinn, der nicht nur in der in diesem Jahr 90-jährigen Vereinsgeschichte des Sportvereins Neusorg den größten Erfolg überhaupt darstellt, etliche Väter (und Mütter). In erster Linie sind zu nennen die Vereinstrainer Roswitha Roth, Walter Kusa und seit letztem Jahr Noah Ernstberger, die die Mädels seit Beginn begleiten. Große Unterstützung erhalten sie auch vom Verein selbst und auch Abteilungsleiter Werner Riedl steht natürlich immer hinter seinen jungen Damen. Die wichtigste Person ist jedoch ohne Zweifel Christina Stock-Schönfelder, die zum einen aufgrund ihrer Oberliga-Vergangenheit ein sportliches Vorbild für alle ist. Doch auch ihre menschliche und soziale Kompetenz sucht ihresgleichen. Ein Verhalten wie das der Heilbronn-Spielerin wäre unter ihrer Verantwortung undenkbar, Respekt gegenüber den Mitspielern und den Gegnern vermittelt sie seit Kindesbeinen. Bayerische Meisterin war Christina Stock-Schönfelder letztmals vor sechs Jahren, dass sie sich nun auch noch den Titel Deutsche Pokalmeisterin an ihr Revers heften kann, und das sogar gemeinsam mit ihrer Tochter, das hätte selbst sie sich nicht träumen lassen.

„Wenn ich an den letzten Punkt durch meine Tochter denke, läuft mir auch am Tag danach noch die Gänsehaut auf“, so Gerald Sacher, der als Fahrer, Betreuer und Mitorganisator mit vor Ort war. Der ehemalige langjährige Fußballer musste da in seiner „Karriere“ wesentlich kleinere Brötchen backen.

Wie geht es nun weiter? Fahren wir jetzt zur Europa- oder Weltmeisterschaft? Eine berechtigte Frage, leider ist die Antwort nein, da dieses Turnier das Limit darstellt. Schon am gestrigen Dienstagabend holte die Mädchen im Training daheim wieder der Alltag ein, ohne Starallüren, alle waren wieder da, auch wenn es natürlich viel zu erzählen gab. Doch damit nicht genug. Die Mädels engagieren sich mittlerweile auch im Nachwuchsbereich. Momentan noch einmal, nach den Sommerferien zwei Mal wöchentlich werden bis zu 20 Kinder der ersten bis dritten Klasse an den Tischtennissport herangeführt. Mit den Anfängern sind die Trainingsmöglichkeiten in der kleinen Turnhalle komplett ausgereizt, sind doch im Nachwuchsbereich zudem auch noch zwei Nachwuchs-Mädchenmannschaften mit insgesamt 15 Kindern im Punktspieleinsatz.

Werbung in eigener Sache haben die Mädchen mit diesem Titel auf jeden Fall gemacht, jetzt fehlt nur noch der eine oder andere potent(iell)e Sponsor als Unterstützung für die nächsten Ziele.

 

Begeistert von ihren Mädchen zeigte sich Trainerin Christina Stock-Schönfelder auch noch am Tag nach dem Triumph: „Die sportliche Leistung von allen und der Einsatz waren vorbildlich.“ Auch wenn das Frühstück für 6.30 Uhr angesagt war, um um sieben Uhr zum Einspielen in die Halle zu fahren, standen alle gemeinsam pünktlich am Buffet. Selbst das von den Mädels geliebte GNTM-Finale am Donnerstag wurde unterbrochen und dann am Freitag nach den Spielen weitergeschaut.

Für Stock-Schönfelder war es vor jeder Begegnung schwierig, die richtige Aufstellung auszuwählen. Mit jedem Sieg sei der Druck nicht kleiner geworden, sondern immer mehr gewachsen. Niemand wollte verlieren. Auch wenn es bei diesen knappen Herzschlagfinals anders ausgegangen wäre, ist für die Trainerin wichtig, dass „alle ihr Bestes gegeben haben. Alles was wir im Training die letzten Male geübt haben, haben meine Mädchen umgesetzt. Am Ende siegt immer ein Team, das miteinander spielt und sich gegenseitig unterstützt. Da kann eine einzelne noch so gut sein – siehe Heilbronn – alleine gewinnt man kein Mannschaftsspiel.“ Aber auch das Zwischenmenschliche streicht Stock-Schönfelder heraus: „Wir hatten zusammen auch jede Menge Spaß und ein lustiges Miteinander. Meine Mädchen sind wieder bei vielen Mannschaften mit ihrem kameradschaftlichen und respektvollen Verhalten auch den Gegnern gegenüber positiv aufgefallen.“ Über eines freute sich Christina Stock-Schönfelder besonders. Die Gegnerin aus Heilbronn, gegen die ihre Tochter Emilia im fünften Satz mit 11:9 den entscheidenden Punkt zum Einzug ins Finale gemacht hatte, schickte ihr am Tag danach über ein soziales Netzwerk eine Freundschaftsanfrage.

 

Zu den Bildern:

Emilia und Saskia

Die Freude war groß direkt nach dem Triumph bei Emilia Schönfelder (links) und Saskia Sacher. Statt Sekt sah das Protokoll altersgemäß nur Gänsewein vor

Christina Stock-Schönfelder

 

alleine auf dem Podium

von links: Antonia Schraml, Emily Sischka, Saskia Sacher, Emilia Schönfelder, Christina Stock-Schönfelder

Siegerehrung

von links: Antonia Schraml, Emily Sischka, Saskia Sacher, Emilia Schönfelder, Christina Stock-Schönfelder eingerahmt von den Zweiten TTC Wißmar und den Dritten SV Helfendorf

der Pokal: „und wir haben den Pokal …“

 

 

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 04. Juni 2022 um 11:35 Uhr
 
 

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